IMG_7658

Zunächst die gute Nachricht: Alle vier deutschen Damen sowie Philipp Kohlschreiber sind eine Runde weiter. Die schlechte Nachricht (gerade im Herrenbereich): Nur Kohli kam über die erste Runde hinaus. Alle anderen scheiterten meist deutlich.

Richtig Spaß machte das Zuschauen insbesondere bei Sabine Lisicki: Nach vielen Auf und Abs könnte sie es weit schaffen. Vorausgesetzt, sie kann ihre Form konservieren.

Ein großes Thema ist weiterhin die brütende Hitze: Bereits in der ersten Runde gaben 12 Teilnehmer auf (meist aufgrund des Klimas) – so viele wie noch nie bei einem Grand-Slam-Turnier. Gestern traf es besonders Jack Sock (Foto), der völlig kollabierte und zusammenklappte. Die Wetterprognosen verheißen aber nichts Gutes: Es soll nämlich warm bleiben.

Bildschirmfoto 2015-09-01 um 15.10.07

Bevor es ans Meckern geht – erst einmal ein paar Komplimente an Eurosport: Erstens dafür, dass der Sender auf mehreren Plattformen versucht, eine Rundumversorgung zu ermöglichen (zum Beispiel mit dem Eurosport Player).

Zweitens dafür, dass Matthias Stach quasi als Fieldreporter unterwegs ist. Der bestens vernetzte Tennisexperte und stets bestinformierteste TV-Journalist im Tenniszirkus sorgt abseits der Plätze für O-Töne, Kurz-Interviews und Rahmenprogramm-Beiträge. Das dritte Kompliment gilt den Kommentatoren – dies aber auch nur teilweise. Manch Kommentatoren-Duo quasselt nämlich ohne Unterlass – und sinniert dann auch noch über alte Zeiten, in denen man selbst noch auf dem Platz gestanden habe. Interessiert niemanden.

Dazu kommen noch technische Probleme – am ersten Turniertag war Kommentator Alex Antonitsch ewig lange nicht zu hören. Erst im dritten Anlauf waren die Tonstörungen behoben. Außerdem gab’s Probleme mit der Zuordnung richtiger Namen: Die oben abgebildete Dominika Cibulkova wurde nach ihrem Sieg mit dem Namen Belinda Bencic untertitelt. Es ist eben noch früh im Turnier – und es bleibt genügend Zeit, die Breaks aufzuholen…

Am Ende hat sich dann doch die Erfahrung durchgesetzt. Philipp Kohlschreiber gewinnt in der 1. Runde gegen Alexander Zverev mit 6-7 (0), 6-2, 6-0, 2-6 und 6-4.

Lange hielt der junge Deutsche mit, doch am Ende mangelte es dem 18-jährigen Hamburger vor allem an Kraft. Immer wieder drohte ein Krampf. Im anschließenden Eurosport-Interview sprach Kohli von einem schwierigen Match, bei dem er bei längerer Dauer bereits um seine konditionellen Vorteile wusste.

Jetzt geht es für ihn gegen den Sieger aus dem Spiel Donaldson-Rosol.

IMG_7614 IMG_7604

Für viele Kinder ist es ein Traum, einmal als Balljunge oder als Ballmädchen bei den US Open aufzulaufen. Offenbar nicht in New York. Entweder gibt es zu wenig Nachwuchs – oder der Traum überwiegt bei den Männern: Denn gleich in den ersten Matches fiel auf, dass so mancher Ballwerfer älter war als der Spieler. Untypisch.

Besonders auffällig war es dann beim Spiel Haas-Verdasco: Und hier ist es gar nicht mal so einfach, die zwei Ü-30-Spieler altersmäßig zu übertrumpfen. Aber wie auf dem Fernseh-Bild erkennbar, erfüllte ein gestandener Herr die Aufgaben des Balljungen. Mal sehen, wie sich die Alterskurve im Laufe des Turniers entwickeln wird…

Alles fing so gut für ihn an: Mit 6-3 ging der erste Satz relativ schnell an Tommy Haas. Der zweite Satz ging ähnlich schnell vonstatten – allerdings an den Spanier, 1-6. Eng ging es dann im dritten Satz zu: Erst im Tie-Break gewann der Deutsche mit 7-6 (3).

Mit zunehmender Zeit verließen den 37-Jährigen jedoch die Kräfte. Möglicherweise war dies den immer wieder auftretenden Schulterproblemen geschuldet. Diese hatten Haas bereits zuletzt ordentlich zu schaffen gemacht. Seine Aufschlagsgeschwindigkeit sank auf deutlich unter 170 km/h. Zudem schlichen sich leichte Fehler ein. So verlor Haas 3-6 und knickte anschließend völlig ein. Im fünften Satz blieb nur ein Spiel für Tommy. Seine vermutlich letzten US Open musste er im fünften Satz mit 1-6 beenden.

Schade Tommy.

Er ist der verdiente Sieger: Marin Cilic gewinnt zum ersten Mal die US Open. Im Überraschungs-Finale schlug der Kroate den Japaner Kei Nishikor. 6:3, 6:3, 6:3 hieß es nach nicht einmal zwei Stunden. Der fast zwei Meter große Cilic dominierte das Spiel, ähnlich wie im Halbfinale gegen Federer.

Beeindruckend seine Aufschlagstärke, beachtenswert sein offensives und mutiges Spiel. Sowohl im Halbfinale als auch im Endspiel hatte man stets das Gefühl, dass dem Kroaten alles gelingen würde. Dementsprechend fehlten dem neutralen Zuschauer natürlich die Spannungsmomente.

Aber was bleibt, ist die Erkenntnisse, dass das feste Final-Fundament bei Grand-Slam-Turnieren (in den letzten zehn Jahren waren immer mindestens einer von Nadal, Federer, Djokovic im Endspiel) langsam bröckelt. Nadal war gar nicht erst angetreten, der Djoker von Federer waren deutlich im Halbfinale ausgeschieden.

Diese Niederlage schmerzte – sowohl dem Schweizer als auch den Zuschauern. Völlig verdient schied Roger Federer im Achtelfinale der US-Open aus. Spielverderber Tommy Robredo fegte den desolat agierenden Schweizer mit 7-6, 6-3 und 6-4 aus dem Turnier.

Im Verlauf des zweiten und während des ganzen dritten Satzes kämpfte der beste Tennisspieler aller Zeiten mit den zwei Dingen, die auf dem Platz am schlimmsten sind: Hilflosigkeit und fehlendes Selbstvertrauen. Seine frühere Waffe, die Rückhand, stand ihm in diesem Match eher im Wege, als dass sie ihn aus brenzligen Situationen befreit hätte. Sein Aufschlag verpuffte ein ums andere Mal. Seine Entscheidungen in wichtigen Returns fielen immer falsch aus. Folge: Eine glatte drei-Satz-Niederlage, nachdem Federer zuvor noch nie gegen den bärenstarken Robredo verloren hatte.

Dabei hätte der Schweizer im zweiten Satz das Spiel noch drehen können: Unzählige Breakchancen vergab er, der Spanier hingegen nutzte seine wenigen eiskalt. So musste Federer zum Schluss auch noch das Mitleid ertragen, das ihm vom Publikum entgegengebracht wurde. Sie wünschten sich sein Weiterkommen. Immer noch hat er die meisten Fans. Um so bitterer. Denn ein Grandslam ohne Federer zu diesem frühen Zeitpunkt ist immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. Robredo spielt nun gegen seinen Landsmann Nadal.

Sie hatten gehofft, den Lisicki-Hype bis New York nutzen zu können – und ihn dort zu bestätigen. Doch leider erreichte nur einer die zweite Woche – Philipp Kohlschreiber. Er gewann gegen John Isner mit 6-4, 6-7, 7-5  und 7-5. „Kohli“ spielte am Samstag in beeindruckender Weise gegen den Amerikaner (und das Publikum), ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Als Belohnung geht es nun gegen den Turnier-Favoriten Rafael Nadal.

Enttäuschend verliefen hingegen die Matches der anderen drei verbliebenen deutschen Hoffnungen: Angelique Kerber hatte mehr mit sich als mit ihrer Gegnerin Carla Suarez Navarro zu kämpfen. Dabei spielte sie zwischendurch immer wieder bärenstark, brachte Bälle zurück, die längst verloren schienen, glänzte mit starkem Kampfgeist, als die Spanieren bereits zum Matchgewinn aufschlug. Doch als es drauf ankam, versagten ihr die Nerven. Die Top-Ten-Spielerin verlor im Tiebreak (4-6, 6-3 und 6-7).

Deutlich mehr hatte man sich auch von Tommy Haas erhofft. Der Routinier fand aber nie zu seinem Spiel, agierte fahrig und haderte viel mit sich und anderen Umständen. Die Quittung: Der stark aufspielende Mikhail Youzhny gewann 6-3, 6-2, 2-6 und 6-3.

Bei Florian Mayer konnte man mit einem Aus rechnen: Auf der Gegenseite stand immerhin der Mit-Favorit und diesjährige Wimbledon-Sieger Andy Murray. Im ersten Satz konnte Mayer bei brütender Hitze noch sehr gut mithalten. Erst im Tie-Break brach er etwas ein, verlor diesen deutlich mit 7-2. Dem völlig entkräftet wirkenden Murray reichte offenbar die reduzierte Kraft, um die beiden folgenden Sätze jeweils mit 6-2 zu gewinnen.

Damit ist die anfängliche Euphorie sicher erst einmal wieder gedämpft…

3, 2, 1 – mehr Punkte hat Roger Federer in seinem Zweitrunden-Match in New York nicht zugelassen. Souverän wie lange nicht, gewann der Schweizer nach etwas mehr als eineinhalb Stunden mit 6:3, 6:2, 6:1 gegen Carlos Berlocq. Der Argentinier hatte dabei nicht den Hauch einer Chance.

In ähnlicher Manier gewann später auch Rafael Nadal – in der Reihenfolge 2, 1, 0: Gegen den Brasilianer Rogerio Dutra Silva der in Bestform spielende Mallorquiner mit 6:2, 6:1, 6:0 – und bleibt damit sicher der heißeste Favorit auf den Titel.

Es war ein hart umkämpftes Spiel, bei der die Zahl „vier“ eine wichtige Bedeutung gewann: Denn erst mit dem vierten Matchball im vierten Satz nach über vier Stunden (4:13 Std.) gewann Del Potro sein Erstrunden-Match. Guillermo Garcia-Lopez wehrte sich lange, musste sich dann aber schließlich doch mit 3:6, 7:6 (5), 4:6, 6:7 (7) geschlagen geben. Vorher lieferte er sich aber einen klasse Fight mit Del Potro, der als einziger der Top-Favoriten Überstunden schieben musste (Murray gewann später glatt in drei Sätzen).

Zu Anfang sah es noch nach einem leichten Sieg für den Argentinier aus, der im zweiten Satz mehr Probleme mit einem Handtuch-Fussel am Kinn als mit seinem Gegner hatte. Doch der Spanier steigerte sich von Punkt zu Punkt, spielte präzise und gab keinen Punkt verloren. Der Lohn: Er gewann den Tie-Break mit 7-5, nach einigen vergebenen Satzbällen. Letztlich setzte sich dann in den Sätzen drei und vier die Erfahrung und Klasse des US-Open-Siegers von 2009 durch. Damit ist auch die erste Runde der Herren beendet.